Gedanken von Generaloberin Sr. Pauline Thorer

Wer denkt nicht an die vielen Einrichtungen (Schulen, Kindergärten, Kinderheime, Krankenhäuser, Altersheime usw.), in denen Ordensfrauen arbeiten bzw. deren Träger verschiedene Frauenorden sind. Und dann sind da noch die Gemeinschaften von Ordensfrauen, die in Zurückgezogenheit leben und ein beschauliches Leben führen.


Ordensfrauen heute – die Gruppe wird kleiner, und doch sind sie nicht zu übersehen. 
Ordensfrauen in der Kirche – gehören sie zum Klerus oder sind sie Laien?

Das Kirchenrecht tut sich nicht ganz leicht mit dieser Frage. Ordensfrauen sind Laien – kirchenrechtlich gesehen, und doch gibt es einen Unterschied, der auch in der Gesetzgebung (es gibt ein eigenes Ordensrecht) zum Ausdruck kommt.

Das Wort vom „Stand der Vollkommenheit", das lange Zeit im Hinblick auf Ordensleute verwendet wurde, nimmt wohl – Gott sei Dank! - seit dem 2. Vatikanum niemand mehr in den Mund. Spätestens seit dort ist klar, dass es sich um einen von vielen Wegen zu Gott handelt, um eine Lebensweise, die wie andere auch ihre Berechtigung hat, um eine Form der Nachfolge.

 

Welcher ist nun der Ort der Ordensfrauen in der Kirche?
Was versuchen sie, in dieser Kirche zu sein, und wie sehen sie ihren Auftrag in dieser unserer Kirche?


Ordensfrauen sind in unserer Kirche untrennbar mit ihren Werken verbunden. Sehr viele soziale Einrichtungen sind von verschiedenen Ordensgemeinschaften ins Leben gerufen worden. Viele Vorkämpferinnen für soziale Einsätze kamen und kommen immer noch aus ihren Reihen. Ordensfrauen leiten eine Fülle von Heimen, Schulen und anderen Anstalten.

Und doch ist das nur die eine Seite. Jede Ordensfrau, die am Krankenbett steht, ist zwar Krankenschwester, aber es ist eine verkürzte Sicht, wenn sie nur als Krankenschwester gesehen wird. Sie will zunächst als Mensch gesehen werden, als das, was sie ist und dann erst von ihrem konkreten Beruf her, von dem her, was sie tut.


Ordensfrauen kennzeichnen sich dadurch aus, dass sie in Gemeinschaft leben. Vielleicht ist die Art, wie diese Gemeinschaft gelebt wird, ein Kriterium / etwas, was den Orden heute eine Art Daseinsberechtigung gibt, denn Aufgaben im sozial karitativen Bereich können ja auch verrichtet werden (und das wird ja auch längst getan) von Menschen, die keiner Ordensgemeinschaft angehören.


Wenn man in die Kirchengeschichte schaut, so sieht man, dass Orden immer dann entstanden sind, wenn bestimmte Aspekte der Aufgaben in der Kirche vernachlässigt wurden. Die Ordensgemeinschaften haben dann mit ihrem Leben und mit ihrem Tun versucht, diesem vernachlässigten Element (z. B. Diakonie, Liturgie, ...) wieder mehr Raum zu geben. Die Orden werden sich wohl auf diesem Hintergrund fragen müssen, wo ihr Ort heute – in der Kirche und in der Welt - sein kann und sein muss. 

Ordensfrauen – Frauen in der Kirche. Gibt es Unterschiede in der Art, wie sie gesehen werden?

Ist es heute noch so, dass für bestimmte Aufgaben in der Kirche eine Ordensfrau größere Chancen hat, die Stelle zu bekommen, da man ihr von vornherein ein gewisses Maß an „Rechtgläubigkeit", an religiöser Praxis, an Engagement, an Idealismus zutraut – eben oft mehr als anderen Frauen, die gleichwertige Qualifikationen aufweisen? Mag sein.

Die Ordensfrau wird aber auch sehr schnell in einen Rahmen gepresst. Es werden bestimmte Erwartungen an sie gestellt.
Und die Ordensfrau wird oft auch vergessen – als Gruppe. Es gibt viele kirchliche Gruppierungen, in denen Ordensfrauen nicht vertreten sind, obwohl sie von der Sache und von der Zahl her in verschiedenen Gruppierungen vertreten sein könnten / sein müssten. Ob das damit zu tun hat, dass Ordensfrauen oft zu sehr mit ihren Werken in Verbindung gebracht werden, und dass sie selber oft zu wenig als Personen gesehen werden? Mag sein, dass wir Ordensfrauen selber unseren Teil dazu beitragen, dadurch, dass wir – oft aus einer falsch verstandenen Demut / Bescheidenheit heraus – uns nicht vordrängen wollen / uns nicht entsprechend einbringen.


Gibt es Unterschiede in dem, wie wir uns selbst – im Vergleich mit anderen Frauen - erleben? Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch zum Thema „geistliche Berufe", bei dem wir versuchten, das Spezifische einer geistlichen Berufung zu sehen, eben Unterschiede herauszuarbeiten – konkret: Unterschiede zwischen einer engagierten Frau in der Kirche, die unverheiratet ist und die konsequent versucht, in der Nachfolge Jesu zu leben, und einer Ordensfrau. Das war gar nicht so einfach. Letztlich konzentrierte sich das Gespräch auf das Thema der Verfügbarkeit als des Unterscheidbaren – wissend, dass wohl auch jede Frau – nicht nur die Ordensfrau – mit verschiedenen Vorgaben und Einschränkungen leben muss.

Wenn ich als Ordensfrau mehr als ein Jahrzehnt unser ordenseigenes Bildungshaus geleitet habe, so habe ich mich als Frau mit einer Aufgabe in der Kirche verstanden. Ich orientierte mich an den Fragen und Themen der Kirche – wissend, dass ich zwar nicht von der Kirche oder von der Diözese her diesen Auftrag hatte, dass ich meine Aufgabe aber sehr wohl in Übereinstimmung mir ihr erfüllen wollte, wissend auch, dass ich in meiner Arbeit einen Beitrag für die Kirche leistete.

Und ich hatte den Wunsch, mich mit allen jenen Frauen zu solidarisieren, die mehr kämpfen mussten um die Sicherstellung ihres Lebensunterhaltes als ich / als wir Ordensfrauen, die mehr kämpfen mussten auch um die entsprechende Anerkennung und Wertschätzung ihrer Persönlichkeit und ihrer Arbeit in der Kirche.

 

Generaloberin Sr. Pauline Thorer, geboren 1946 in Kärnten, seit 1965 Mitglied der Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern in Innsbruck. Studium der Theologie und der Akademie für Sozialarbeit in Innsbruck. Von 1981 bis 1999 (mit Unterbrechung) Leiterin des ordenseigenen Bildungshauses Haus Marillac in Innsbruck. Seit 2012 Generaloberin der Barmherzigen Schwestern.

 

Ich bin im Grunde sehr realistisch, möchte aber die Hoffnung nicht aufgeben, dass es in der Kirche Wege gibt, wie Menschen ihre Berufung verwirklichen können bzw. wie sie überhaupt ihre Berufung entdecken können. Mag sein, dass es in Zukunft das Ordensleben nicht mehr in der gegenwärtigen Gestalt geben wird – wer weiß es? – trotzdem glaube ich und wünsche ich, dass es das Charisma, das die Orden zu leben versuchen (mit aller Bruchstückhaftigkeit), auch in Zukunft geben wird.

Wie du will ich alle, denen ich begegne, innig lieben und hochachten, will ich den Notleidenden gegenüber freundlich und mildtätig sein.

Luise von Marillac

Anschrift

Kongregation der Barmherzigen Schwestern
Generalat
Rennweg 40
6020 Innsbruck, Österreich
Tel   +43  / 512 / 587176 – 4407
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